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Linzer Wissenschaftler erforschen und finden alternative Methoden:
Erfolgreicher Kampf gegen Tierversuche
Im Vorjahr sind in österreichischen Labors 198.323 Tiere gequält worden. So viele wie schon seit Jahren nicht mehr. Jetzt gibt es für Tiere und Tierschützer Hoffnung. Im Linzer Zentrum für Ersatz- und Ergänzungsmethoden zu Tierversuchen („zet") sind hochrangige Forscher erfolgreich dabei, neue Wege aufzuzeigen.

Professor Dr. Jürgen Frank hat am 1. April 2007die Leitung des „zet”-Life Science Laboratoriums in Linz übernommen. Frank studierte Biologie an der Universität Hohenheim und promovierte an der Medizinischen Klinik und Poliklinik der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen. Die Arbeit seines Linzer Forschungsteams erspart vielen Kaninchen Leid.
Arthur Schopenhauer hat es auf den Punkt gebracht: „Jeder dumme Junge kann einen Käfer zertreten, aber alle Professoren der Welt können keinen herstellen.” Das können auch die sich im Linzer „zet” engagierenden Wissenschafter nicht, doch sie sind in der Lage, Tierleid zu verhindern, indem sie Alternativen zum Tierversuch erforschen.
Das „zet” ist eine gemeinnützige Forschungseinrichtung, die sich mittlerweile zum österreichischen Zentrum für den wissenschaftlichen Kampf gegen die Tierquälerei entwickelt hat. Unter dem Vorstandsvorsitzenden Dr. Harald Schöffl, Oberarzt im Linzer AKH, startete man im Vorjahr den Aufbau eine Labors für Grundlagenforschung, in dem zehn Wissenschaftler beschäftigt werden sollen. Geleitet wird das Labor vom deutschen Biologen Professor Dr. Jürgen Frank.
Die Finanzierung der „zet”-Forschung ist vorerst für sechs Jahre gesichert. Das Geld kommt vom Land Oberösterreich und aus der Privatstiftung eines Gönners. „Zusätzlich müssen wir uns allerdings um Drittmittel aus nationalen und internationalen Forschungsfonds umsehen,” erklärt Professor Frank mit großer Zuversicht.
Tatsächlich sind die Linzer Forscher sehr gut unterwegs. So haben sie beispielsweise an der Entwicklung von dreidimensionalen Hautersatzmodellen mitgearbeitet. Sie dienen dazu, die Wirkung von Kosmetika, Pharmazeutika, Wasch- oder Putzmittel auf die Haut zu testen. Diese Tests werden ab 2009 EU-weit viele Tierversuche mit Mäusen, Ratten und Kaninchen ersetzen.
Ein Forschungsschwerpunkt des „zet” wird in den nächsten Jahren die Entwicklung dreidimensionaler Zellkulturen sein, mit denen man die Funktion der menschlichen Leber simulieren kann. Gelingt das, wäre es ein Riesenschritt für den Tierschutz. „Dann könnte man beispielsweise die Verträglichkeit von Medikamenten oder ihre Toxizität ohne Tierversuche überprüfen,” so Dr. Jürgen Frank. Bis es so weit ist, wird es aber noch 10 bis 15 Jahre dauern.
Viel weiter ist man bereits beim so genannten Hühnerei-Test. Auch ihn hat das „zet” mitentwickelt. Dabei wird das zu testende Putz- oder Reinigungsmittel auf die unter der Schale eines bebrüteten Hühnereis liegende Haut aufgetragen. Je nachdem wie das Eiklar oder die kleinen Blutgefäße reagieren, kann festgestellt werden, ob die Testsubstanz reizend ist oder nicht. Dr. Schöffl: „Diese Methode kann vielen Versuchstieren Leid ersparen.” Vor allem den Kaninchen. „Kaninchen haben keine Augenflüssigkeit, daher eignen sie sich besonders, Reizungen des Auges auszutesten,” erläutert „zet”-Sprecher Helmut Appl. „Ohne Narkose werden den Tieren die zu erprobenden Mittel ins Auge getropft. Die Folgen reichen von leichten Schädigungen bis zur Erblindung.”
Durch den Hühnerei-Test und die Hautersatzmodelle schätzt man, die Tierversuche mit Kaninchen um 90 Prozent reduzieren zu können. Das „zet” forscht nun auch daran, dass der Hühnerei-Test auch einmal in der Krebsforschung eingesetzt werden kann, um neue Medikamente zu entwickeln, ohne dass dafür Tiere leiden müssen. Das ist auch deshalb wichtig, „weil viele Ergebnisse aus Tierversuchen kaum auf den Menschen übertragen werden können,” erklärt Helmut Appl.
Vergangenes Wochenende nahmen auf Einladung von „zet” fast 200 Wissenschaftler aus der ganzen Welt in Linz am 15. Kongress über Alternativen zu Tierversuchen teil. Daran erkennt man den Stellenwert von „zet”.

