07. Februar 2012

SPORT

Vier Oberösterreicher visieren bei Paralympics in Peking Medaille an – Rad-As Manfred Gattringer krönt seinen Leidensweg

35 OP’s bis zu Olympia


Das Zeitfahren ist die Domäne Manfred Gattringers. In Peking startet er allerdings in vier Disziplinen. Das ist auch ein Verdienst des Pfarrkirchner Orthopädietechnikers Josef Meisinger (rechts im Bild) und dessen Mitarbeiter Philipp de Silva (li.), die Manfreds „Olympia-Prothese” ausgetüftelt haben.

Seit März bereitete sich Manfred Gattringer dank seines Arbeitgebers OÖ-Ferngas wie ein Profi auf die olympischen Radrennen vor. Bis zu 35 Stunden Training pro Woche standen am Programm. „Ich fühle mich extrem stark und bin psychisch sehr ausgeglichen. Keine Spur von Nervosität,” so der 42-jährige kurz vor dem Abflug. Auch Extremsportler Wolfgang Fasching, dreimaliger Sieger des Radrennens quer durch Amerika und zuletzt Mentaltrainer Gattringer, ist von dem Behindertensportler aus St. Martin im Mühlkreis begeistert: „Seine mentale Kraft ist bewundernswert.”

Diese Stärke im Kopf ist angesichts des Leidensweges Gattringers keine Überraschung, sie war vielmehr überlebenswichtig. Nach einem unverschuldeten Autounfall im Jahr 1990 waren 35 Operationen notwendig. Trotzdem konnte der linke Unterschenkel nicht gerettet werden.

Vor vier Jahren stieg der ehemalige Motorradrennfahrer in den Behindertenradsport ein. Nun gehört er vor allem im Straßen-Einzelzeitfahren und über die 4.000 m Distanz auf der Bahn zur Weltelite. Bei der Weltmeisterschaft im Vorjahr belegte er die Plätze 4 und 7. Für Gattringers Erfolg mitverantwortlich sind sein Linzer Fitness-Coach Mag. Bernhard Schimpl und der Pfarrkirchner Orthopädietechniker Josef „Meisi” Meisinger. Er fertigte mit seinem Mitarbeiter Philipp de Silva Gattringers „Olympia-Prothese”, die möglicherweise die entscheidenden Hundertstel bringt.

Gerade einmal 460 g wiegt Manfreds „Strampelhilfe”. Ein Hightech-Produkt, das trotz geringstem Gewicht mit höchster Steifigkeit die optimale Kraftübertragung bei bester Aerodynamik ermöglicht. „Meisi ist ein Tüftel-Genie,” lobt Gattringer. „Er hat mir nach meinem Unfall geholfen, dass ich wieder gehen kann, und jetzt starte ich mit seiner Unterstützung in Peking. Ein Medaillengewinn wäre der große Traum.”

Sehr gut sind die Medaillenchancen für den Linzer DI Dr. Christoph Etzelsdorfer (45). Der querschnittgelähmte Handbiker startet zum dritten Mal bei Olympia. Aus Athen kam er 2004 mit Gold und Bronze heim.

Am schwierigsten wird es in Peking wahrscheinlich für Egon Kramminger (61) aus Traun und Hans Ruep (48) aus Weißkirchen. Die beiden Versehrtensportler spielen seit langem Tischtennis auf höchstem Niveau und gewannen auch schon viele Titel und Medaillen, doch jetzt kommen die beiden Routiniers ins Mutterland ihres Sportes. „Es wäre keine Überraschung, wenn auch bei den Paralympics China die Tischtennisbewerbe dominieren würde,” ist Oliver Sturmlehner realistisch. Als Obmann des OÖ-Behindertensportverbandes, dem 960 Aktive angehören, wäre er zufrieden, wenn die oberösterreichischen Athleten ein, zwei Medaillen gewännen. „Alles andere wäre eine wunderbare Draufgabe.”