KOMMENTAR
Zum Verrücktwerden

Manfred Radmayr
In Vorwahlzeiten wird von den Politikern immer das Geld abgeschafft. Kein Wahlzuckerl ist zu teuer. Daher ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um wieder einmal an die österreichische Finanzsituation zu erinnern. Der Staat ist mit 161 Milliarden Euro verschuldet. Jeder Österreicher steht im Namen der Republik mit knapp 18.000 Euro in der Kreide. Der staatliche Zinsendienst pro Jahr beträgt stattliche 7,3 Milliarden Euro. Zum Vergleich: In Oberösterreichs Landesbudget 2008 befinden sich 4,6 Milliarden. Trotz dieser finanziellen Misere gehört Österreich zu den fünf reichsten Ländern der Welt.
Mit dem Hausverstand lassen sich solche monetären Rätsel nicht mehr erklären. Die Finanzwelt ist aus den Fugen. Die weltweiten Kontrollsysteme sind lächerlich, locken Scharlatane und Schurken an, die ungehindert fuhrwerken, bis wieder ein Skandal platzt. So hat die US-Immobilienkrise bisher der internationalen Finanzwirtschaft 270 Milliarden Euro gekostet. Möglicherweise müssen weitere 400 Milliarden abgeschrieben werden. Würde jemand so eine Summe zur Bekämpfung von Aids, zur Ausrottung des Hungers oder für Investitionen in erneuerbare Energie fordern, würde er als Träumer ausgelacht. So aber ist diese unvorstellbare Menge Geld einfach den Bach hinunter gegangen. Futsch! Man könnte verrückt werden, was auch für manche Vorschläge im österreichischen Wahlkampf gilt.
Autor: von Manfred Radmayr

