07. Februar 2012

AKTUELLES

Von den Seven Summits sind der Kilimandscharo als höchster Berg Afrikas und der Elbrus als höchste Erhebung Europas die leichtesten „Übungen“

Beide „probiert“ – (k)ein Vergleich


Der Elbrus (5.642 m,) gehört zu den begehrtesten „Trophäen” der Hobby-Bergsteiger

Der Kilimandscharo und der Elbrus sind jene zwei Riesen unter den Seven Summits - den höchsten Gipfeln der sieben Kontinente -, die für engagierte Hobbysportler bis ins höhere Alter zu einem einigermaßen leistbaren Preis machbar sind. Vorausgesetzt, dass man neben dem Respekt vor den Bergen eine gute Kondition mitbringt und die Regeln der Höhenanpassung ernst nimmt. „Die richtige Akklimatisierung ist der Schlüssel zum Erfolg,” weiß der Linzer „Chefbergspecht” und Outdoorreisen-Veranstalter Edi Koblmüller, seit Jahrzehnten auf den höchsten Bergen der Welt daheim.

Wenngleich „Kili“ und „Elbrus“ erloschene Vulkane sind, präsentieren sie sich dem Bergsteiger völlig unterschiedlich. Klettertechnisch sind beide unproblematisch, Trittsicherheit genügt, solange das Wetter mitspielt. Bei Schlechtwetter ist nicht zu spaßen, und möglicherweise eine Umkehr angebracht. Die besten Wetteraussichten hat man am Kili im Jänner und am Elbrus im Juli, wenngleich das bei den heutigen Wetterkapriolen auch nur noch theoretisch gilt. Den Elbrus kann man bis auf etwa 4.700 m auch per Ski unter die Füße nehmen. Dafür bietet sich der Mai an.

Landschaftlich schlägt der afrikanische Kili den russischen Elbrus um Längen, auch wenn das Panorama im Kaukasus großartig ist und einen Eindruck von Himalaja vermittelt. Das Einzigartige am Kilimandscharo: Man marschiert durch alle Klimazonen - vom tropischen Dschungel bis ins Ewige Eis. Unter den verschiedenen Aufstiegsrouten ist die abwechslungsreiche Machame-Route besonders empfehlenswert. „Man umrundet fast den halben Berg und erlebt eine großartige Vielfalt an Landschaftseindrücken,” schwärmt Mag. Gerhard „Bolschoi” Süss von der Linzer Apotheke „Zum Schwarzen Adler”, der beiden „Hallo”-Expeditionen angehörte.

Während man am Kili in Auf- und Ab-Etappen täglich eine andere Strecke zurücklegt, findet am Elbrus die Höhenanpassung auf ein und derselben Route statt. Bevor es zum Gipfel geht, marschiert man zwei, drei Tage immer den gleichen Weg rauf und runter. Außerdem ist man am Elbrus vom Basislager in 3.800 m Höhe aufwärts ständig in Eis und Schnee unterwegs.

Unterschiedlich sind auch die Unterkünfte. Auf der Machame-Route nächtigt man ausschließlich in Zelten, in denen auch bei Schönwetter nachts Minusgrade einkehren, am Elbrus stehen recht komfortable Container mit Heizung zur Verfügung.

Elbrus und Kili gehören zu Naturparks, in denen Umweltschutz groß geschrieben wird. Tatsächlich sind am Kili eigene Putztrupps unterwegs, die Müll vom Berg transportieren. Am Elbrus geht es etwas russischer zu. Dort rostet bei den Liftstationen viel Altmetall vor sich hin.

Unterschiedlich sind Tourdauer und Wegstrecken. Am Kili legte die „Hallo”-Crew in sechs Tagen bei 41-stündiger Gehzeit 72 km und 10.600 Höhenmeter zurück, am Elbrus waren es in drei Tagen bei 21-stündiger Gehzeit knapp 20 km und 6.000 Höhenmeter.

Den Aufstiegsrekord hält auf beiden Bergen der Steirer Skyrunner Christian Stangl, der Anfang August bei der Katastrophe am K 2 nur knapp dem Tod entgangen ist. Er bezwang den Kili in 5:36 und den Elbrus in 5:18 Stunden.

711 Tote auf den 8.000ern

Nanga Parbat, K2, Mont Blanc - im heurigen Sommer haben sich die Bergkatastrophen gehäuft. Das hängt auch damit zusammen, dass es immer mehr Menschen in dünne Luft und eisige Höhen zieht. Gerade die 14 Achttausender wirken wie ein Magnet. Neben professionellen Extrembergsteigern versuchen sich immer mehr Freizeitsportler an den höchsten Bergen der Welt. Sie berappen sehr viel Geld dafür, um auf die höchsten Gipfeln geführt zu werden, und bezahlen für das Risiko oft mit dem Leben. 711 Tote gab es bis Ende 2007.

Die größte Anziehungskraft hat natürlich der Mount Everest. Seit seiner Erstbesteigung durch Edmund Hillary 1953 schafften bis 1998, also in 45 Jahren, 1.048 Menschen den Aufstieg auf den höchsten Gipfel der Erde. In den vergangenen zehn Jahren waren es 2.972. Allein 2007 gab es 629 Besteigungen, mehr als je zuvor. Bis 1. Juni 2008 zählte man am Mount Everest 4.020 Gipfelsiege. 211 Frauen und Männer verunglückten dabei tödlich.

Der mit Abstand gefährlichste Achttausender ist, wie die Tabelle rechts zeigt, der Annapurna, wo die Todesrate fast 38 % beträgt. Mehr als jeder dritte Bergsteiger stirbt. Die besten Überlebenschancen hat man auf den 14 Riesen am Cho Oyu.

14 Männer haben bisher alle 14 Achttausender bestiegen, sieben von ihnen ohne künstlichen Sauerstoff. In der ewigen Bestenliste scheint Gerlinde Kaltenbrunner aus Spital am Pyhrn als Nummer 1 unter den Frauen an 37. Stelle auf - mit elf 8.000er Gipfeln.

Größtes Risiko bei Skifahren und Fußball

Unfälle im Extremsportbereich erregen naturgemäß großes mediales Aufsehen. Hingegen werden die sehr viel häufigeren alltäglichen Freizeitunfälle kaum noch wahrgenommen.

In Österreich haben Skifahrer und Fußballer das größte Verletzungsrisiko. Alljährlich verunglücken auf den Pisten zwischen 30.000 und 40.000 Menschen. 2006 verletzten sich laut Statistik Austria 30.600 Personen beim Fußball, 24.300 beim Radfahren. 10.700 verletzte Unglücksraben verzeichnete man bei Handball, Volleyball und Basketball, 4.200 beim Inline-Skaten. 4.100 Reiter, darunter zwei Drittel Frauen, mussten vom Sattel ins Krankenbett. Auch Hobbygärtner leben gefährlich. Jährlich verletzen sich mehr als 11.000 Personen bei der Gartenarbeit; 76 % von ihnen bezeichnen sich als Gartenprofis.

Dagegen nimmt sich die Zahl der Opfer beim Wandern und Bergsteigen fast mickrig aus: Im Vorjahr rückten Österreichs Bergretter 5.872 Mal aus, um 5.995 Menschen zu bergen. Das ist der niedrigste Wert seit 1998.