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Illegale (Doping-)Medikamente überschwemmen den heimischen Markt
Pillenkauf via Internet ist lebensgefährlich!
Der Medikamentenhandel im Internet ist in Österreich verboten. Doch das Geschäft blüht prächtig. Es beschert den illegalen Händlern gigantische Gewinne und den Käufern ein lebensgefährliches Risiko. Es hat auch schon Tote gegeben.

Kriminalamtsleiter Dr. Rudolf Keplinger jagt die Händler.
Anabolika, Epo, Testosteron, Wachstumshormone, Appetitzügler, Aufputschmittel, Cremen zur Penisverlängerung, Pillen zur Steigerung der Sexualkraft oder zur Erhöhung der Libido - alles kein Problem. Ein Klick ins Internet, und auch der Laie findet schnell einen Händler, der das gewünschte Präparat liefert. Für viel Geld und ohne jede Garantie.
Dieses Risiko schreckt die Abnehmer aber nicht. Im Gegenteil: „Es gibt einen irren Schwarzmarkt, auf dem die Käufer ihre Gesundheit riskieren,” warnt Mag. Thomas Veitschegger als Präsident der oberösterreichischen Apothekerkammer. Wer im Internet bestellt, weiß nie, was die Präparate wirklich enthalten. Es hat auch schon Tote gegeben. „In Deutschland beispielsweise hatte eine Frau via Internet gekaufte Schlankheitspillen eingenommen, kurz darauf ist sie verstorben,” weiß Veitschegger.
Im Pharmaverkauf über das weltweite Netz werden Unsummen umgesetzt. Veitschegger: „Es gibt viel höhere Spannen als im normalen Medikamentenhandel.” Die Verdienstmöglichkeiten sind gigantisch. Es ist weit mehr Profit zu erzielen als mit klassischen Drogen. Ein Kilo Pseudo-Viagra kostet laut Deutschen Apothekerverbänden im Durchschnitt 90.000 Euro, dagegen sind Ecstasy (1.300 Euro) und Marihuana (8.000 Euro) Billigware. Selbst Heroin (50.000 Euro) kostet deutlich weniger.
Während in Deutschland der Internet-Handel mit Medikamenten seit 2004 gesetzlich erlaubt ist, besteht dafür in Österreich ein klares Verbot. „Die EU lässt den Ländern bei der gesetzlichen Regelung freien Spielraum,” erklärt Thomas Veitschegger. „In Österreich steht man auf dem Standpunkt, dass Medikamente eine Ware besonderer Art sind. Daher wurde ihr Verkauf über das Internet nicht freigegeben. Auch in Deutschland rudert man jetzt schon zurück, weil man die Gefahren sieht.”
Die meisten Präparate kommen aus China oder dem asiatischen Raum. Vor einem Jahr gab es gegen die illegalen Importe aus China weltweit eine der größten Razzien in der Kriminalgeschichte. Dabei wurden in Deutschland in zehn Städten 50 Liter Grundstoff für Dopingmittel sichergestellt, „die unter unvorstellbaren hygienischen Bedingungen in Ampullen abgefüllt wurden,” wie ein Ermittler berichtete.
Auch aus den USA kommen viele Präparate nach Österreich. So rühmt sich unter www.vitabay. net ein „wissenschaftliches Team um Max Muscle” (Nomen est omen) eine Reihe von Anabolika-Präparaten entwickelt zu haben, „die effizienten und dramatischen Muskelzuwachs in kurzer Zeit” versprechen. Ab 70.- Euro für 60 Kapseln kann man mit dem privaten Doping beginnen.
Vom Ausdauermittel Epo werde weltweit sechsmal mehr hergestellt, als man für medizinische Zwecke brauche, sagen italienische Sportwissenschafter. In amerikanischen Online-Apotheken gehört das Epo-Dopingmittel Epogen zu den zehn am häufigsten verkauften Medikamenten.
Doping ist seit langem nicht nur ein Thema im Profisport. Viele Hobbysportler greifen zu Östrogen-Blocker, Testosteron-Booster, Anabolika-Kraftmacher und Epo-Ampullen. Auch in Oberösterreich, wo erst kürzlich zwei Männer verhaftet wurden, die einen schwunghaften Anabolika-Handel aufgezogen hatten. 40.000 illegale Präparate im Wert von 50.000 Euro wurden bei ihnen sichergestellt. Verkauft wurde das Zeug vor allem in Fitnessstudios. Aufgeflogen ist das Geschäft, „weil wir einen Hinweis aus Deggendorf in Bayern bekommen haben,” sagt Oberst Dr. Rudolf Keplinger, Leiter des Landeskriminalamtes.
Die Polizei wird nur aktiv, wenn es konkrete Anhaltspunkte gibt. „Wenn sich jemand privat solche Präparate im Ausland bestellt, ist das nicht unser Bereich,” so Keplinger, „denn bestraft werden kann nur der Händler. Der Konsum von Dopingmitteln ist in Österreich nicht strafbar.”
Das im Juli beschlossene österreichische Antidopinggesetz sieht für Dealer Haftstrafen bis zu fünf Jahren vor, Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz werden mit maximal drei Jahren Gefängnis geahndet, bei einer Gemeingefährdung, die ab zehn Personen gegeben ist, drohen bis zu zehn Jahre hinter Gittern.
Weil der Internet-Handel kaum zu kontrollieren ist, zeichnet sich ein Ende der Pillenschwemme nicht ab. Im besten Fall richten diese Mittel gar nichts aus, im schlimmsten Fall führen sie zum Tod.

