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„Der Konsument fühlt sich von Teuerungen umzingelt“
Die Teuerungswelle hat alle Konsumbereiche erfasst und lässt niemanden kalt! Was sind die Ursachen, wer ist schuld, was kann man tun? Dr. Gerhard Weiss (Bild) arbeitet seit 42 Jahren in der Lebensmittelbranche und ist Chef von PRO-Kaufland in Linz, TABOR-Land in Steyr und WELAS-Park in Wels. Mit 750 Mitarbeitern werden jährlich 110 Millionen Euro umgesetzt. Im „Hallo”-Gespräch sagt der Parade-Kaufmann: „In so geballter Form gab’s Teuerungen noch nie.”

Hallo: Haben Sie so eine Teuerungswelle je erlebt?
Dr. Weiss: Preissteigerungen gab es immer. Nur kamen sie hintereinander. Heute hat der Konsument das Gefühl, dass alles teurer wird, egal, wo er hinschaut. Er fühlt sich von den Teuerungen regelrecht umzingelt. Auf einen Schlag teurere Energie, Mieten, Lebensmittel… Das gab’s noch nie.
Hallo: Wie ist die Preisexplosion bei Lebensmittel erklärbar?
Dr. Weiss: Was für den Konsumenten eine Zerreißprobe, ist auch für den Handel eine Zerreißprobe. Mir ist klar, dass die Leute glauben, der Lebensmittelhandel sei kollektiv verrückt geworden und auf der Teuerungswelle von Benzin, Energie etc. mitgeschwommen. Leider haben sich weder die großen Handelsketten noch Wirtschaftskammer zu Wort gemeldet und die Konsumenten aufgeklärt. Die Wahrheit ist nämlich, dass der heimische Lebensmittelhandel sehr geringe Spannen und eine schwache Ertragslage hat. Die Spanne Einkauf-Verkauf muss aber halten, damit ich als Verbrauchermarkt überleben kann. Das heißt natürlich, dass man Preiserhöhungen seitens der Industrie, die beispielsweise mit teureren Transporten argumentiert, neu kalkulieren und bis zu einem gewissen Grad an den Konsumenten weitergeben muss. Natürlich schiebt man solche Forderungen - und damit die Teuerungsweitergabe an den Kunden - möglichst weit hinaus.
Hallo: Wird jetzt eigentlich gezielter eingekauft?
Dr. Weiss: Sehr wohl! Alle bis zur Mittel- und Oberschicht haben noch selten solche finanziellen Probleme gehabt wie jetzt. Die Preise in den Regalen werden exakt betrachtet. Das Märchen, wonach alle überall dieselben Preise haben, ist so vom Tisch.
Hallo: Was halten Sie vom weit verbreiteten „Nimm’ 3, zahl’ 2”?
Dr. Weiss: Nichts. Wir verkaufen gerne, treiben unsere Kunden aber nicht in solche Rechenspiele. Bei uns kostet jeder Artikel einzeln so viel, wie wenn man drei davon nimmt. Immer und zu jeder Ware mit Bestpreisgarantie!
Hallo: Worauf achten Sie beim Einkaufen?
Dr. Weiss: Einkäufe erledigt meist meine Frau, aber ich sehe alles und fordere, egal wo: keine Schmähs und keine Tricks.
Hallo: Persönliche Tipps an die Konsumenten?
Dr. Weiss: Preise vergleichen und - falls angeboten und möglich - österreichische Waren kaufen! Wichtig ist natürlich die Seriosität im Markt. Aber darum bemühen sich alle Einzelhändler und Lebensmittelketten ohnehin sehr. Schließlich geht es um den angeschlagenen Ruf der ganzen Branche.
Hallo: Was halten Sie von der Senkung der Mehrwertsteuer, wie sie diverse Wahlkämpfer fordern?
Dr. Weiss: Das wär’ natürlich toll. Wir würden über Nacht die Computerkassen umstellen und unsere Kunden könnten sich tags darauf über billigere Lebensmittel freuen.

