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Der 5.642 m hohe Elbrus im Kaukasus hat uns mit großer Hitze überrascht und ermüdet
„Hallo” am höchsten Berg Europas!

16. Juli, 13.45 Uhr: Oxana streckt eine Faust in die Höhe und stößt einen spitzen Freudenschrei aus. Die 26-jährige Moskauerin steht zum 18. Mal auf dem Gipfel des 5.642 m hohen Elbrus. In ihrem Schlepptau strahlen wir zu viert mit der jungen Bergführerin um die Wette. „Dobro poshalowat!” „Herzlich willkommen” auf dem Dach Europas! Hinter uns liegen mehr als acht Stunden Aufstieg, unter uns ragen einige Viertausender durch die Wolken, über uns leuchtet blauer Himmel. Schöner kann ein Gipfelerlebnis nicht sein. Doch es war schwer erarbeitet.
Europas höchster Berg steht im Kaukasus am Ende des 120 km langen, wildromantischen Baksantals in der russischen Teilrepublik Kabardino-Balkarien an der Grenze zu Georgien. Mit dem Bus fährt man vom Flughafen Mineralny Vody vier Stunden bis in 2.350 m Höhe an den Fuß des Elbrus. Dort schleppen wir - acht Hobbybergsteiger aus Linz und Umgebung und Bergführer Werner Trichtl - unser Gepäck in den 5. Stock eines Hotels ohne Lift. Wir kommen erstmals gehörig ins Schnaufen.
Tags darauf treffen wir Oxana. Ab jetzt hören wir auf ihr Kommando. Die aktive Höhenanpassung beginnt. Gemütlich wandern wir auf den 3.461 m hohen Tscheget, wobei wir bis in 2.800 m Höhe das prächtige Kaukasus-Panorama von einem Sessellift aus genießen.
Am nächsten Tag geht’s auf den Elbrus. Seilbahn und Sessellift befördern uns auf 3.800 m. Hier befinden sich auf Großglockner-Höhe die Garabachi-Biwaktonnen - quasi unser Basislager. Von hier aufwärts gibt es nur noch Eis und Schnee. 70 Elbrus-Gletscher erstrecken sich auf 145 km2. Wir unternehmen zwei Halbtagestouren bis auf 4.100 m und 4.700 m, um den Körper weiter an die Höhe zu gewöhnen. Immer Werner Trichtls warnende Worte im Ohr: „Nur kleine Schritte machen und auf’s regelmäßige Atmen nicht vergessen.” Schlaf finden wir in den ersten beiden Nächten im Biwak-Container kaum. Zu dünn ist die Luft, zu hoch der Puls.
Am dritten Tag verlassen wir um 5 Uhr das Basislager. Eine Pistenraupe bringt uns auf 4.550 m. Im Morgengrauen stapfen wir mit Steigeisen dem Sonnenaufgang entgegen, nicht ahnend, dass uns die Sonne an diesem Tag unbarmherzig intensiv begleiten wird.
Realistischerweise muss man am Elbrus, der zwischen Schwarzem Meer und Kaspischer See liegt, mit Kälte und Niederschlag rechnen. Doch dieser 16. Juli verläuft völlig anders. Der gefürchtete Sturm? Kein Hauch davon, den ganzen Tag Windstille. Gefährliche Wetterumschwünge? Njet! Der Himmel bleibt immer frei. Vom Wind blank gelegte Eishänge? Ach wo! Griffiger Neuschnee entschärft auch die endlos lange Traverse zum 5.300 m hohen Sattel zwischen Ost- und Westgipfel, wo im Vorjahr zwei Schweizer in den Tod rutschten. Die Sonneneinstrahlung ist in unserem Fall ein größerer Gegner als der Berg. In der Affenhitze „verglühen” die Getränkevorräte zu schnell. Ich genehmige mir am Gipfel den letzten Schluck, dann erfrischt nur noch Schnee Lippen, Stirn und Nacken. Kurios: Das schöne Wetter bedingt, dass drei aus unserer Gruppe knapp unterhalb des Gipfels umkehren müssen. Ihre Batterien sind leer wie die Trinkflaschen.
Für den kraftraubenden Abstieg im weichen Schnee brauchen wir vier Stunden. Dann schlafen wir erstmals in dieser Höhe tief und lang. Ganz ohne Wodka.

