07. Februar 2012

AKTUELLES

Die Russen entdecken Oberösterreich – auf Einkaufstour in intakter Natur

Um ein Drittel mehr russische Urlauber

Das Daumendrücken von Hans Wieser nützte nichts. „Wir hoffen, dass die russische Mannschaft Fußball-Europameister wird,” ergriff der Geschäftsführer des Wolfgangsee-Tourismus vor dem Halbfinalspiel der Russen gegen Spanien lachend Partei. Der Tourismusexperte hätte sich durch den Titelgewinn in Russland noch mehr positive Werbung für Österreich und damit auch das oberösterreichische Salzkammergut erhofft.

Diese Rechnung ging nicht auf. Trotzdem freuen sich die heimischen Touristiker über eine steigende Russeninvasion. Im Geschäftsjahr November 2006 bis Oktober 2007 registrierte man in Oberösterreich 14.800 Nächtigungen von 4.067 russische Urlaubern. „Das bedeutet gegenüber dem Jahr zuvor bei den Ankünften eine Steigerung um 32 Prozent und bei den Nächtigungen um 36 Prozent,” weiß Elisabeth Kierner vom OÖ-Tourismus. Zusätzlich erfreulich: Normalerweise verbringt ein Urlauber im Durchschnitt drei Tage in unserem Bundesland, die Russen bleiben im Schnitt vier Tage.

Während russische Urlauber im Winter zu zehntausenden Tirol und Salzburg stürmen, kommen sie im Sommer auch vermehrt nach Oberösterreich. „Sie suchen gute Luft, intakte Natur und legen großen Wert auf Einkaufsmöglichkeiten,” kennt Brigitte Stumpner von der Salzkammergut Touristik in Bad Ischl die Präferenzen der russischen Gäste, die fast ausschließlich aus dem Raum Moskau und aus St. Petersburg anreisen.

Im Urlaub rollt dann der Rubel. Genächtigt wird nur in Vier- und Fünfsternhäusern, Shopping ist die liebste Freizeitbeschäftigung. Brigitte Stumpner: „Die Russen suchen bei Textilien und Parfum vor allem Markenartikel, die sie bei uns viel billiger als in Russland kaufen können.” Doch auch die traditionellen österreichischen Mitbringsel haben es ihnen angetan. „Sie kaufen Liköre, Schnäpse, Linzer Torten und Mozartkugeln und so weiter in viel größeren Mengen ein als andere Urlauber,” so Stumpner.

Linz verzeichnete im Vorjahr mit 4.600 Nächtigungen den größten Russenansturm, gefolgt von St. Wolfgang (2.200 Nächtigungen) und dem inneren Salzkammergut (1.400). Auch der Attersee wird zunehmend von Russen frequentiert. Dazu trägt bei, dass im Vorjahr jemand aus dem Büro Vladimir Putins für kolportierte 15 Millionen Euro das Waldschlössl samt Seegrundstück in St. Gilgen gekauft hat. Stumpner: „Das ist durch alle russische Medien gegangen. Es wird sogar gemunkelt, dass Putin selbst der Käufer sein soll.”