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Größter Forschungsauftrag startet am 1. September
Linzer Uni bringt Licht in Gesundheitsdebatte
Bisher wurde am österreichischen Gesundheitssystem herumgedoktert, ohne die zentralen Fragen geklärt zu haben. Interessensvertretungen geben den Ton an. Das kann bald anders werden. Die Linzer Uni widmet sich in einem riesigen Forschungsprojekt grundlegend der Gesundheitsökonomie. Studienbeginn: 1. September.

Univ. Prof. Gerald Pruckner
„Arbeitsmarkt und Wohlfahrtsstaat” - so heißt das größte Forschungsprojekt, das die sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Linz je angegangen ist. Es ist mit mehr als zwei Millionen Euro dotiert, läuft vorerst drei Jahre (mit Option auf Verlängerung) und umfasst acht Teilbereiche. Der Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung hat als Auftraggeber die Sinnhaftigkeit der Studie von höchstrangigen Wissensschaftlern aus der ganzen Welt auf Herz und Nieren prüfen lassen. Alle gaben ihr „okay”.
Sämtliche acht Forschungsfelder, zu denen unter anderen Einkommensverteilung, Migration, Arbeitsmarktpolitik und Bildung gehören, werden unter der Gesamtleitung von Univ. Prof. Rudolf Winter-Ebmer zum Thema Gesundheit in Verbindung gesetzt. Eine Forschergruppe kümmert sich ausschließlich um gesundheitsökonomische Fragen. Sie leitet der aus Neuhofen an der Krems stammende Volkswirtschaftsprofessor Dr. Gerald Pruckner. „Wir haben eines der besten, aber auch eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt,” sagt der 44-jährige, „wir wissen aber nicht, ob die Menschen bereit sind, für ein gutes System mehr zu bezahlen. Würden wir mehr über ihre Präferenzen wissen, täten wir uns mit dem Gesundheitssystem leichter.”
Die Linzer Studie, an der auch die Unis in Innsbruck, Wien und Zürich mitarbeiten, soll die Antworten auf die zentralen Fragen liefern: Wieviel Geld sollen wir für Gesundheit verwenden? Wer geht zur Vorsorge und was bewirkt sie? Welche Rolle spielen Bildung und Einkommen? Auswirkungen des Alterungsprozesses? Wer geht zum Arzt? Wie wichtig ist den Menschen die freie Arztwahl? Welchen Stellenwert haben für sie billige Medikamente, eine Super-Notfallversorgung und kleine Landkrankenhäuser? Und so weiter. Prinzipiell geht es immer darum, wie hängen Gesundheit und andere sozioökonomische Faktoren zusammen.
„Wir werden uns auch genau die Rolle der Ärzte ansehen,” erklärt Gerald Pruckner. „Sie sind ja nicht nur dem hypokratischen Eid verpflichtet, sondern auch Unternehmer.” Beispielsweise wird man die Niederlassungsentscheidungen hinterfragen. Pruckner: „In Wien ist die Ärztedichte doppelt so hoch wie im Mühlviertel. Sind die Wiener auch doppelt so gesund?”
Fragen über Fragen, die aufschlussreiche Antworten erwarten lassen, die Grundlage für gesundheitspolitische Entscheidungen werden sollten. Den Forschern steht das gesamte relevante österreichische Datenmaterial in anonymisierter Form zur Verfügung. „Gerade in Oberösterreich finden wir in allen Teilen der Gesundheitsstruktur große Unterstützung,” freut sich Professor Pruckner.
Zur Bewältigung der Studie werden 15 wissenschaftliche Mitarbeiter befristet engagiert. Es gibt Bewerbungen aus ganz Europa. Anfang Oktober gibt’s für die breite Öffentlichkeit einen Infoabend.

