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Weltrekord-Lok ist 357 km/h schnell
Taurus-Flotte der ÖBB nimmt Kurs auf Europa

Begrüßten den Weltrekord-Taurus (v.l): Siemens Österreich-Chefin Mag. Brigitte Ederer, LH Dr. Josef Pühringer, ÖBB Traktion-Vorstand DI Herwig Wiltberger und ÖBB-Vorstandssprecher DI Peter Klugar
Nach acht Jahren und einer Gesamtinvestition von 1,2 Milliarden Euro ist die zur Gänze in Linz gebaute Taurus-Flotte der Österreichischen Bundesbahnen nun komplett. Beim Festakt in den Werkstätten der Technischen Services der ÖBB lief die 382. Taurus vom Band. Sie ist mit 357 km/h die schnellste Elektro-Lok der Welt, was sie in einem Rekordversuch auf einer deutschen ICE-Strecke eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat.
Jetzt verfügt die ÖBB im internationalen Vergleich über eine der modernsten Lokflotten und kann ihren Einsatzradius auf praktisch ganz Europa ausdehnen. Die Taurus-Lok bringt in Österreich 230 km/h und knapp 10.000 PS auf die Schiene und kann sowohl schnelle Personenzüge als auch tausende Tonnen schwere Güterzüge ziehen. Sie gilt damit als Universallok – und universell ist auch ihr Einsatzgebiet: Zusätzlich zum Heimmarkt Österreich fahren die ÖBB-Taurus-Loks bereits nach Deutschland, Ungarn, Slowenien, Italien, Tschechien und in die Slowakei. Europaweit ist das einzigartig, denn normalerweise ist für Loks an den nationalen Grenzen Endstation. Der Grund sind unterschiedliche Stromsysteme in den einzelnen Ländern. Die technische Antwort darauf sind Mehr-Systemloks. Sie kommen mit allen Stromsystemen in Europa zurecht und gelten daher als Symbol für die europäischen Perspektiven des ÖBB-Konzerns. Ihr potenzielles Einsatzgebiet erstreckt sich auf 1,5 Mio. km2 - eine Fläche, 17 Mal größer als Österreich.
Der Umwelt nützt die Lok gleich in zweifacher Hinsicht: einerseits fährt sie mit „grünem“ Bahnstrom aus österreichischer Wasserkraft, andererseits speist sie beim Bremsen erzeugten Strom wieder ins Stromnetz zurück. Dadurch können bis zu 20 Prozent Strom eingespart werden. Zusätzlich wurden die LokführerInnen auch in energiesparender Fahrweise ausgebildet – und dafür hat die ÖBB den „klima:aktiv“-Preis bekommen.
Die Taurus-Lok ist eine Entwicklung der Siemens AG und setzte von Beginn an innovative technologische Maßstäbe. Die Energieeffizienz und ein Höchstmaß an Verfügbarkeit (98 %) stellen eine neue Dimension dar. Rund 40 wichtige Komponenten erzeugen die ÖBB-Technische Services (TS) in ihren Werken selbst. Eines dieser Werke ist das Competence Center in Linz, hier fand Zusammenbau, Lackierung und Inbetriebsetzung der Loks statt. Allein der Zusammenbau dauert zwei Monate pro Lok – schließlich besteht jeder Taurus aus 13.000 Einzelteilen. In den letzten acht Jahren konnten die ÖBB-TS hier ein umfassendes Know-how aufbauen – und das wird nun auch europaweit vermarktet. Denn der Taurus ist auch für andere Bahnen interessant. Derzeit hat ÖBB-TS Verträge über die Fertigung von 39 Lokomotiven für andere Bahngesellschaften. Damit sind die Jobs in Linz auf Jahre gesichert.

