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Alle 100 Jahre schlägt ein Komet auf der Erde ein. Im Juni 1908 explodierte ein Meteorit in Sibirien
Gefahr aus dem Weltall
Kommt der Komet? Die Gefahr aus dem Weltall ist zweifellos gegeben. Alle 100 Jahre, so die wissenschaftliche Statistik, schlägt ein Meteorit auf der Erde ein. Die letzte derartige Explosion ereignete sich im Juni 1908 in Sibirien. Der nächste große Einschlag droht am 1. Februar 2019.

Erwin Filimon, Gründer des Astronomischen Arbeitskreises Salzkammergut (450 Mitglieder) und der Sternwarte Gahberg in Weyregg.
Vor 100 Jahren hatte die Menschheit riesiges Glück. Am frühen Morgen des 30. Juni 1908 verdampfte über dem unbewohnen Tunguska-Gebiet in Sibirien ein Komet beim Eintritt in die Erdatmosphäre. Die Folgen dieses „Airburst” waren Millionen umgeknickte Bäume in einem Gebiet von 50 Kilometer Durchmesser. Die Wissenschaftler sind sich einig: Wäre dieser „Einschlag” in bebautem Gebiet passiert, hätte die Explosion die Bevölkerung auf 1.000 km2 ausgelöscht. Doppelt beunruhigend dabei: Dieses Szenario kann jederzeit Wirklichkeit werden. Die Erde ist eine Zielscheibe für Flugkörper aus dem Weltall.
„Man geht davon aus, dass es etwa alle 100 Jahre zu einem Tunguska-Ereignis kommt und alle 1.000 Jahr zu einem noch größeren Einschlag,” erklärt Erwin Filimon (49) aus Seewalchen, Obmann des Astronomischen Arbeitskreises Salzkammergut. Demnach wäre es nun bald wieder so weit. Die statistische Trefferwahrscheinlichkeit sagt allerdings nichts darüber aus, wann es tatsächlich das nächste Mal knallt. Die größte bekannte Kometenkatastrophe ereignete sich vor 65,5 Millionen Jahren, als die Dinosaurier ausgelöscht und fast sämtliches Leben auf der Erde vernichtet worden ist.
Irgendwo im riesigen Weltall schwirrt gleichsam eine Stecknadel herum, die irgendwann auf der Erde ein Inferno auslösen kann. Der Bankangestellte Erwin Filimon beobachtet seit seinem 15. Lebensjahr als Hobbyastronom den Himmel: „Jährlich werden 30 bis 40 Kometen sichtbar. Dazu gibt es nahe der Erde zehntausende Asteroiden. Viele davon fliegen täglich zwischen Erde und Mond durch.”
Die gefährlichsten All-Flugkörper werden von den Wissenschaftlern auf einer Roten Liste geführt. Auf dieser Liste befinden sich derzeit knapp 700 so genannte „Earth Crosser”, die einmal der Erdlaufbahn in die Quere kommen könnten und daher besonders genauer Beobachtung unterliegen.
Ein ganz gefährlicher Brocken ist der Asteroid 2002MT7. Nach jüngsten Berechnungen würde er am 1. Februar 2019 auf der Erde einschlagen. Zum Vergleich: Während der Tunguska-Komet weniger als 100 m Durchmesser hatte, bringt es der 2002MT7 auf 2 km Durchmesser. Schlägt er auf unserem Planeten ein, ist der Teufel los. Immerhin rast 2002MT7 mit elf Kilometern pro Sekunde (40.000 km/h) durchs All.
Noch gibt es aber keinen Grund für Weltuntergangsstimmung. Kometen und Asteroiden ändern immer wieder ihre Flugbahn, durch den Einfluss anderer Planeten, durch Zusammenstöße oder weil sie auseinanderbrechen. Daher kann auch 2002MT7 noch vom Erdkurs abkommen, allerdings kann genauso schnell ein neuer Gefahrenherd auftauchen.
Erkennt man einen drohenden Eindringling rechtzeitig, bleibt als letzter Ausweg zu dessen Kursveränderung nur der Beschuss mit einer Sonde, oder man bringt in seiner Nähe eine Bombe zur Explosion. Am 4. Juli 2005 ist es der NASA bereits einmal gelungen, in 133 Millionen Kilometern Entfernung einen 15 x 5 Meter großen Kometenkern mit einer „intelligenten Bombe” zu treffen. Abgefeuert wurde das Geschoss von der Raumsonde Deep Impact.
Seit 2004 ist die Weltraumsonde Rosetta der Europäischen Weltraumorganisation im All unterwegs. Sie gehört zu den faszinierendsten Projekten der Weltraumerforschung. Rosetta soll im Jahr 2014 den 450 Millionen Kilometer von der Erde entfernten Kometen Churymov-Gerasimenko erreichen und das Landegerät Philae auf ihm absetzen. Der dreibeinige Roboter soll dann neue Informationen über Kometen zur Erde senden. Immerhin sind Kometen Überreste jener Materie, aus der vor 4,5 Milliarden Jahren die Sonne und ihre Planeten entstanden.

Der Meteoritenortungskamera
der Sternwarte
Gahberg in Weyregg
ist am 6. April 2002
eine weltweit
einzigartige
Farbaufnahme
gelunden. Sie
zeigt einen
Meteor beim
Eindringen
in die
Erdatmosphäre.

Am 14. Juli 2002
wurden in
Bayern erste
Bruchstücke
dieses Meteoriten
gefunden.
Dieser Fund
wog 1,75
Kilogramm.

