von
Manfred Radmayr
<<>>Vor 216 Jahren, am 17. Mai 1792, wurde die New Yorker Aktienbörse gegründet. Bezeichnenderweise genau an dem Ort, wo sich bis dahin der größte Sklavenmarkt Nordamerikas befunden hatte: an der Wall Street. Wo die Sklaven nackt an die Mauer gefesselt, bewertet und gehandelt wurden, verkaufte und kaufte man nun gegen gute Provision Aktien. Das neue Geschäftsfeld hat das alte leider nicht ausgelöscht. Der Menschenhandel bildet noch heute - auch mitten in der EU - ein Milliardengeschäft (Bericht S. 4/5).><<>>Die ökonomische Bewertung des Menschen hat jahrtausendelange Tradition. Sie erfolgte in verschiedenster Weise, etwa in Rindern, Silberstücken, Dollar oder auch in Gewehrkugeln. Heute werden Menschen nicht nur als Arbeitskräfte, sondern auch im Versicherungs- und Gesundheitswesen Tag für Tag bewertet und entwertet. Ein beinahe selbstverständlicher Vorgang, der mehr Aufmerksamkeit verdienen würde. Vor allem angesichts der aktuellen Diskussionen um die Finanzierung des Gesundheitssystems und der Katastrophenvorsorge, Stichwort Klimaschutz.><<>>Bleiben wir bei der Gesundheit. Die moderne Medizin ist in der Lage, noch vor kurzem unvorstellbare Dinge zu leisten, die aber sehr viel Geld kosten. Wer kommt in den Genuss dieser Medikamente, Operationen oder Therapien? Junge, Reiche, Wissende oder auch Arme, Alte und Ungebildete? In England erhalten zum Beispiel ältere Menschen keine künstliche Hüfte mehr, und das ist mittlerweile ein banaler Eingriff.><<>>Der gesundheitsökonomische Diskurs in Österreich wird fast ausschließlich von Lobbys beherrscht. Krankenkassen, Spitalserhalter, Ärzteschaft und Pharmaindustrie wollen alle nur unser Bestes - und das ist unser Geld. Der Wille der breiten Bevölkerung ist viel zu wenig bekannt, obwohl es empirische Forschungsmethoden gäbe, ihn zu erheben und in den Entscheidungsprozess einfliessen zu lassen. Damit könnte man die Akzeptanz notwendiger Reformschritte erhöhen. Das wäre eine Erleichterung für die verantwortlichen Politiker und ein Schritt in Richtung mehr Gerechtigkeit.>