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Immer mehr Landsleute schätzen den Markt als erlebnisreiches Einkaufsparadies. Heuer finden in Oberösterreich fast 1.000 (!) Marktveranstaltungen statt
Alle Sinne werden bedient!

Für Hutträger ist der Markt ein Eldorado: Man findet immer das passende Modell.
„Ich kann doch nicht immer daheim sitzen und beim Fenster hinaus schauen!” Deshalb startet Alois Quirchmayer aus Hofkirchen an der Trattnach mindestens dreimal im Monat um 4 Uhr früh seinen Klein-LKW samt Anhänger. Das Gespann ist mit hunderten Werkzeugartikeln, Haus- und Küchengärten beladen. Diese Waren bietet er auf Märkten an. Am 4. Mai, dem Florianitag, baute Quirchmayer sein fahrendes Geschäft vor dem Stift in St. Florian auf, am 12. Mai gastiert er am Kirtag in Ohlsdorf.
Alois Quirchmayer wird im Juni 83 Jahre alt. Seit 60 Jahren ist der Vater dreier Kinder als Marktfahrer aktiv. Eine lebende Legende unter Oberösterreichs Fieranten. Er kennt diese Branche aus dem Effeff. Ans Aufhören denkt er noch immer nicht, denn „das Geschäft geht nicht schlecht.”
So ist es! Oberösterreichs Märkte blühen. Allein heuer finden etwa 960 Marktveranstaltungen statt, im Schnitt fast drei pro Tag. Die Palette reicht vom klassischen Jahrmarkt, Kirtag oder Volksfest bis zum Bauern-, Vieh- und Krämermarkt, vom Oster- über den Allerheiligen- bis zum Adventmarkt.
Märkte haben seit dem Mittelalter nichts an Anziehungskraft verloren. Sie erleben sogar eine Renaissance. Immer mehr Landsleute schätzen das Einkaufen am Markt. Hier werden alle Sinne bedient.
„Im Lauf der Zeit gab es eine Entfremdung von Produzenten und Konsumenten. Jetzt erleben wir eine Rückbesinnung auf die ursprüngliche Funktion des Marktes,” freut sich Mag. Stefan Praher als Geschäftsführer des Markthandels in der Wirtschaftskammer. „Das Einkaufen am Markt wird zum Erlebnis. Man lernt Produzenten kennen und findet auch Artikel und Dienstleistungen, die es sonst nirgends mehr gibt, etwa Scheren- und Messerschleifer.”
Märkte beleben die ganze Region, Wirte und örtliche Geschäfte profitieren. „Endlich kommen die Standler wieder,” ist ein geflügeltes Wort. „An einem Markttag ist der ganze Ort auf den Beinen. Man begegnet Leuten, die man sonst das ganze Jahr nicht trifft, und man gönnt sich gern ein Schmankerl,” weiß Gremialobfrau Sonja Gaiblinger. Als Marktfahrerin und Spezialistin für Schokofrüchte legt sie 20.000 km im Jahr zurück. „Da sind aber auch Messebesuche eingerechnet. Marktfahrer müssen nämlich immer am neuesten Informationsstand ein. Nur so können wir unserem hohen Qualitätsanspruch gerecht werden.”
Am Markt werden nicht nur alle Sinne bedient, er ist auch ein Fest für alle Altersgruppen - vom Enkel bis zum Opa. Alle kommen gerne und gehen zufrieden nach Hause.
„Beste Beratung ist bei uns garantiert”

Sonja Gaiblinger aus Linz ist seit 1986 Marktfahrerin und seit 2004 Obfrau des Landesgremiums des Markt-, Straßen- und Wanderhandels.
Hallo: Seit 1980 hat sich die Zahl der Marktfahrer in Oberösterreich von 542 auf 656 erhöht. Erlebt das Marktgeschehen eine Blüte?
Gaiblinger: Auf jeden Fall. Die Märkte haben nur ein wenig geschwächelt, als die Großkaufhäuser aufgekommen sind. Jetzt erleben wir einen Marktboom. Das gilt vor allem für Grün- und Frischemärkte und natürlich für die Christkindlmärkte.
Hallo: Was sind die Gründe für diese positive Entwicklung?
Gaiblinger: Die Besucher schätzen die Produktvielfalt und die gute Qualität auf den Märkten. Außerdem wollen die Leute beraten werden. Bei uns ist beste Beratung garantiert und selbstverständlich.
Hallo: Was zeichnet einen guten Marktfahrer aus?
Gaiblinger: Die Tätigkeit des Marktfahrers bedeutet nicht nur Arbeit, sondern viel Freude. Am Markt herrscht immer gute Laune und positive Stimmung. Wegen der geringen Lagermöglichkeiten müssen Marktfahrer sehr flexibel sein und ihr Sortiment ständig erneuern. Der Verkauf ist meist Frauensache, Männer erledigen die Schwerarbeit.
Hallo: Nachwuchsprobleme gibt es also nicht?
Gaiblinger: Nein. Ein Marktfahrer mit Herz kann nicht aufhören. Die Kinder der Marktfahrer wachsen in dieses Geschäft richtiggehend hinein. Und es gibt auch Neuanfänger, die hier gute Chancen sehen.

Mag. Stefan Praher, Geschäftsführer des Markthandels in der Wirtschaftskammer OÖ.
Als Interessenvertretung der Marktfahrer sehen wir uns nicht nur als Anlaufstelle für unsere Mitgliedsbetriebe, sondern wir wollen vor allem den Konsumenten die Vielfalt und Vorteile der oberösterreichischen Märkte vermitteln. Eines der wichtigsten Serviceprodukte ist der jährlich erscheinende Märktekalender, in dem alle Märkte landesweit angeführt sind. Er unterstützt unsere Mitglieder bei ihrer Planung und gibt den Konsumenten einen Überblick über die unterschiedlichen Marktveranstaltungen. Wichtig ist uns auch, die Rahmenbedingungen auf den Märkten zu verbessern. Die sehr guten Beziehungen zu Gemeindevertretern helfen uns, im Fall des Falles Probleme rasch und unbürokratisch zu lösen.

