07. Februar 2012

KOMMENTAR

Zitronendiktatur

Zitronendiktatur


Angesichts des politischen Zustandes Österreichs wird gerne die Bezeichnung Bananenrepublik verwendet. Zitronendiktatur wäre passender. Die Mehrheit der Bevölkerung ist nämlich sauer wie schon lange nicht.
Die Menschen sind sauer, weil so brennende Fragen, wie wir unser Pflegesystem auf hohem Standard langfristig finanzieren und das finanzielle Dilemma der Sozialversicherungen in den Griff bekommen können, meilenweit von Lösungen entfernt sind.
Die Menschen sind sauer, weil sie der Spielball einer scheinheiligen Steuersenkungsdiskussion sind. Wie soll einem so zerstrittenen Polithaufen ein wirklich fruchtbarer Kahlschlag im Steuer- und Abgabendschungel gelingen, bei dem nicht wieder der kleine Mann und die kleine Frau als Draufzahler übrig bleiben? Funktionierten doch die letzten Reformen alle so, dass das Geld in den Taschen des Großteils der Leute weniger statt mehr geworden ist.
Die Menschen sind sauer, weil sie sich jahrelang eine halbherzige Integrations- und Asyldebatte anhören mussten, während vor den Augen von Außen- und Innenministerium durch korrupte Beamte 8.000 Menschen illegal ins Land geschleust worden sind.
Die Menschen sind sauer, weil der Fall Haidinger wieder zeigt, dass Postenschacher und Freunderlwirtschaft längst die Hauptsäulen dieses Staates sind. Kein Abteilungsleiter im Verwaltungsapparat, kein Bezirkshauptmann, kein Primar in einem öffentlichen Spital… wird ohne politischen Einfluss bestellt. Ein unerträglicher Zustand!
Schlussendlich sind die Menschen sauer, weil sie die ständigen gegenseitigen Schuldzuweisungen der politischen Parteien, die alle im gleichen Sumpf stecken und mit dem gleichen Dreck werfen, satt haben.
Gusi, Willi, Westi & Co sind Auslaufmodelle. Bis nach der Fußball-Europameisterschaft werden wir ihre Eiertänze noch ertragen müssen. Dann müssen Neuwahlen her!

Autor: Manfred Radmayr