07. Februar 2012

AKTUELLES

Schatzkammern des Wissens


Die Stiftsbibliothek St. Florian gehört zu den ältesten und eindrucksvollsten Klosterbibliotheken in Österreich. Der spätbarocke Hauptsaal mit seinen raumhohen Regalen verfügt über ein raffiniertes Bausystem zur Luftzirkulation, das ein optimales Raumklima ermöglicht. Das Schlimmste für die Bücher sind ja starke Temperaturschwankungen. Neben hunderten mittelalterlichen Handschriften beherbergt St. Florian auch knapp 1.000 Inkunabeln. Das sind Wiegendrucke, die zwischen Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks und dem Jahr 1500 angefertigt worden sind. In Linz wurden die ersten Bücher 1620 gedruckt.

Bibliotheken sammeln das Wissen der Welt. Sie sind eine faszinierende Brücke von der Vergangenheit in die Zukunft. Oder wie Arthur Schopenhauer sagte: „Bibliotheken sind allein das sichere und bleibende Gedächtnis des menschlichen Geschlechts.” Der große Thomas Alva Edison meinte gar: „Wenn es jemandem gelänge, die Bibliothken und sämtliche Bücher zu vernichten - dreißig Jahre später könnte kein Schlosser mehr auch nur eine Schraube anziehen.”

An der fundamentalen Bedeutung der Büchereien als Schatzkammern des Wissens ändert auch das digitale Zeitalter nichts. „So lange es Leser gibt, wird es Bibliotheken geben, und die Nachfrage nach Büchern ist noch immer steigend,” bestätigt Dr. Christian Enichlmayr, Leiter der Landesbibliothek, in der mehr als 400.000 Bände schlummern. Nur die Linzer Universitätsbücherei mit 600.000 Bänden ist in Oberösterreich noch zahlreicher bestückt.

Die Zukunft des Buchdrucks im Zeitalter des Internets scheint ungefährdet. „Das Buch ist halt verdammt praktisch,” sagt Enichlmayr. Man braucht keinen Strom, es ist stoßfest, gegen Kälte unempfindlich, man kann es verleihen, verschenken, vorlesen und jede Textstelle beliebig oft nachschlagen. Gerade in der Welt der Programmierer und sonstigen Computerbenutzer stehen Bücher hoch im Kurs. Neuen Programmen nähert man sich am liebsten mit einem Handbuch in der Hand.

Gedruckte Bücher repräsentieren Wissen und Prestige. Daher lassen sich Wissenschaftler oder Menschen, die Kompetenz ausstrahlen wollen, am liebsten vor Bücherwänden fotografieren oder filmen. „Promis produzieren Bücher und keine E-Books, denn Gedrucktes hat mehr Bedeutung als flüchtige Elektronik,” beobachtet Christian Enichlmayr.

Unschätzbare Werte kulturellen Erbes verwalten die 13 oberösterreichischen Klosterbibliothken. Es sind vor allem jene Büchereien, die zur Zeit Joseph II. der Welle der Klosterauflösung und der Verstaatlichung kirchlichen Eigentums entkommen sind. „Zwischen 1782 und 1787 wurden in der gesamten Monarchie 2 Millionen bis 2,5 Millionen Bücher aus Klosterbibliotheken beschlagnahmt. Davon wurden rund 1.200 Tonnen eingestampft,” weiß Dr. Friedrich Buchmayr, Stiftsbibliothekar in St. Florian.

Die von DDr. Karl Rehberger geleitete Bücherei wird jährlich im Rahmen der Stiftsführung von etwa 30.000 Besuchern bestaunt. Etwa 150.000 Bände lagern im beeindruckenden Barocksaal und zwölf Nebenräumen. Darunter viele europäische Unikate, unschätzbare Handschriften und Inkunabeln aus der ersten Zeit des Buchdrucks. Das älteste Schriftstück ist ein süditalienisches Papyrusfragment aus dem 6. Jahrhundert. Die ältesten hauseigenen Codices stammen aus den Anfängen des Augustiner Chorherrenklosters im Jahr 1071.

Großartig ist auch die Bibliothek des Benediktinerklosters Kremsmünster, für die seit 2002 Pater Petrus verantwortlich ist und wo gerade die EDV-mäßige Erschließung des Bestandes abgeschlossen wird. „Zu den etwa 200.000 Bänden kommen jährlich 3.000 bis 4.000 neue dazu. Vor allem aus dem Bereich Theologie, Philosophie und Geschichte,” so Pater Petrus. Enorme Bedeutung haben auch die Büchersammlung und alten Schriften der Prämonstratenser in Aigen-Schlägl. Unter den Frauenorden sticht die Bibliothek der Marienschwestern von Karmel in Linz mit mehr als 3.000 Bänden heraus.

Das älteste Schriftdokument des Landes stammt aus dem 9. Jahrhundert und aus dem Kloster Mondsee. Diese Kostbarkeit wird unter anderen wertvollen Handschriften in der Landesbibliothek aufbewahrt. Werden derartige unwiederbringliche Juwelen als Leihgaben außer Haus gegeben, sind Versicherungen bis zu einem Wert von 200.000 Euro fällig.

Als sich die große Millenniumsausstellung in London mit einer im 13. Jahrhundert kunstvoll angefertigten Handschrift aus der Stiftsbibliothek St. Florian schmückte, erhielt das gute Stück auf dem Flug nach England neben seinem Kurier sogar einen eigenen Sitzplatz zugeteilt. Der Transport im Frachtraum wäre viel zu riskant gewesen.


In der Barockbibliothek des Stiftes Kremsmünster findet man mehr als 80.000 Bücher. Die Bücherei verfügt auch über 49 wertvolle Globen.


Zu den wertvollsten Handschriften der Landesbibliothek in Linz gehört dieses Altarbuch aus Garsten. Die von Holzdeckeln eingefasste Pergamenthandschrift stammt aus dem 12. Jahrhundert, ist also etwa 900 Jahre alt. Sie enthält für die Messefeier notwendige Texte.

Bücherei der Zukunft mit mehr Selbstbedienung


100.000 Besucher und fast ebenso viele Entlehnungen zeigen die Attraktivität der OÖ-Landesbibliothek beim Linzer Schillerpark. Sie wird gerade in einer Symbiose aus Alt und Neu zu einer Bibliothek der Zukunft umgebaut. Dabei macht die Bücherei organisatorisch einen großen Sprung in Richtung Selbstbedienung. Die Besucher können künftig direkt an den Regalen schmökern. Alle Kataloge sind auch online einsehbar. Für Buchbestellungen gibt es einen landesweiten Lieferservice per Post. Die Galerie (Bild), die Freihandbücherei mit historischem Bestand verbindet, wird 2009 fertig.