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Abseits der EM 2008 - Teil 2

Im WM-Finale 1978 zwischen Niederlande und Gastgeber Argentinien kam es zum Duell zweier Trainer-Giganten, die sich nie um Konformität gekümmert haben: Ernst Happel gegen César Luis Menotti. In diesem Spiel stand es 1:1, als kurz vor Spielende der Holländer Rob Rensenbrink den Ball an den Pfosten knallte. In der Verlängerung schoss Argentinien noch zwei Treffer und Happel blieb mit dem niederländischen Team nur WM-Silber.
Ernst Happel war zeitlebens ein Anarchist, der sich um Autoritäten und Äußerlichkeiten einen Schmarrn kümmerte. Als Stopper bei Rapid und ein Jahr bei Racing Paris galt er als Meister des Stellungsspiels und der Abseitsfalle. So sparte er sich übertriebene Laufarbeit. Als Trainer verfolgte er das Gegenteil von dem, was jetzt die Fußball-Bürokraten mit ihren Sicherheitssystemen predigen. Der „Happel-Stil” bedeutete: Wir drücken den Gegner in die eigene Hälfte. „Pressing” sagte dazu der Meister und prägte damit einen Fachbegriff. Mit der Perfektion des Pressing führte Happel ADO Den Haag, Feyenoord Rotterdam, FC Brügge, Standard Lüttich und den Hamburger SV zu vielen Titeln. Als HSV-Coach (1981 - ‘87) war er der erfolgreichste Ausländer seiner Zunft in Deutschland.
Happel schaffte es mit dem Fußball aus der Wiener Unterschicht zum Weltbürger. Seinen Lehrberuf als Taschner und Kurzwarenhändler gab er auf, um bis zum 33. Lebensjahr aktiv zu kicken. Kurz darauf wurde er Trainer und blieb rastlos in Sachen Fußball unterwegs. Nebenbei schaffte es der Kettenraucher problemlos, unzählige Cognac-Flaschen zu leeren, beim Kartenspielen in seinen Stammwirtshäusern und an noblen Spieltischen viel Geld unter die Leute zu bringen, und in seinem herben Charme brachte er es auch kaum übers Herz, eine Frau von der Bettkante zu weisen. Neid und Missgunst der Spießer ließen in kalt. Starallüren waren ihm fremd.
Als die niederländische WM-Delegation nach der Rückkehr aus Argentinien zum Empfang bei der Königin beordert wurde, verspätete sich die Monarchin, worauf Happel einen Enkel der Majestät fragte: „Kleiner, wann kommt endlich die Oma?” Dann verkündete der Wiener vor den Wartenden: „Wenn die alte Schastrommel net bald kommt, können’s ohne Happel feiern.” Der Grund für seine Ungeduld. Der „Wödmasta” wurde außerhalb des Königspalasts schon von einer anderen Dame erwartet. Am 14. November 1992 starb Ernst Happel mit 66 Jahren an einem Krebsleiden. Er ging mit der Gewissheit, kaum etwas versäumt zu haben.

