08. September 2010

AKTUELLES

Auf der Holzbörse kosten Bäume so viel wie ein Auto

Eine hölzerne „Perlenschnur” säumt jetzt einen Güterweg in St. Florian. Hier liegen die kostbarsten Juwelen aus Oberösterreichs Wäldern. 1.400 Baumstämme, die ein Vermögen von etwa einer halben Million Euro wert sind. Zur Laubholzbörse unter freiem Himmel kommen Käufer aus ganz Europa.


Am 25. Jänner (9 - 15 Uhr) findet am Güterweg Niederfraunleiten in St. Florian beim Bauernhaus Linninger ein Aktionstag für alle Holzinteressierten statt. In Broschüren kann man die Legende jedes Blochs inklusive des erzielten Preises nachlesen. Dazu gibt es fachkundige Erklärungen und Verköstigung durch die Ortsbauern.

Oberösterreich ist eigentlich ein Land der Fichte. 60 % des Waldbestandes tragen Fichtennadeln. Diese einseitige Ausrichtung ist nicht mehr zeitgemäß. Zum einen schwächt der Klimawandel mit den zunehmenden Trockenperioden die Fichte und macht sie zu einem Fressen für den Borkenkäfer. Zum anderen bringen Laubbäume deutlich mehr Ertrag als die Nadelhölzer.

Diese Zeichen der Zeit haben in den vergangenen Jahren schon viele der mehr als 40.000 oberösterreichischen Waldbesitzer erkannt: Sie widmen sich vermehrt der Laubholzpflege. Die ist zwar anfangs etwas teurer, weil die Setzlinge mehr kosten als junge Fichten, und arbeitsaufwändiger, weil Entästungen notwendig sind, dafür ist später der Wert des Holzes viel höher.

„Das wichtigste ist ein möglichst dicker und astfreier Stamm. Der bringt das meiste Geld,” erklärt Dipl. Ing. Alfred Söllradl, Bezirksforstinspektor von Linz-Land. „Die Traummaße sind hier nicht 90-60-90, wie sie Männer oft im Kopf haben, sondern 30-60-90. Die untersten 30 % des Stammes bilden 60 % der Masse und 90 % des Wertes des Baumes,” so der Forstexperte.

Je nach Sorte kann ein Festmeter Laubholz ein kleines Vermögen wert sein. „Im Vorjahr betrug bei der Laubholzbörse der Durchschnittspreis 432 Euro pro Festmeter. Den Höchstpreis erzielte ein Festmeter Bergahorn, für den 4.200 Euro bezahlt wurden,” rechnet Dipl. Ing. (FH) Andreas Hofbauer vor. Er ist in der Landwirtschaftskammer Assistent der Geschäftsführung des OÖ. Waldbesitzerverbandes, die zum fünften Mal die Laubbaumbörse durchführt. Zum vierten Mal findet sie bereits in Niederfraunleiten in St. Florian statt.

Im Vorjahr beteiligten sich 567 heimische Waldbesitzer mit im Schnitt 2,12 Festmeter an der Börse. Und sie machten ein gutes Geschäft. Hofbauer: „Alle 1.500 Stämme wurden verkauft.” Für Bergahorn bekam man im Schnitt 550 Euro pro Festmeter, für Eiche 393.-, für Nuss 1.700.-, für Kirsche 290.- Insgesamt wechselten 1.200 Festmeter für 518.000 Euro den Besitzer.

Ein ähnliches Ergebnis erwartet man sich heuer. Hofbauer: „Holz unterliegt auch Modeströmungen. Diesmal rechnen wir bei der Eiche mit den Höchstpreisen. Sie ist seit Jahren in der Möbelindustrie wieder einmal die Nummer 1.” Stark nachgefragt werden auch weiterhin zum Beispiel Ahorn, Nuss, Kirsche und Birne. Die Obsthölzer braucht man vor allem für wertvolle Einlegearbeiten.

Kaufinteressenten aus ganz Europa pilgern zur Holzbörse nach St. Florian. „Das Spektrum reicht vom kleinen Tischler über den Furnierholzhändler bis zum Geigenbauer,” weiß Andreas Hofbauer. Von 10. bis 21. Jänner können sie ihr geheimes Offert in einem Kuvert mit der Nummer jenes Blochs, der ihre Begierde geweckt hat, beim Waldbesitzerverband hinterlegen. Am 21. Jänner erreicht dann in einem Gasthaus in St. Florian die Spannung ihren Höhepunkt. Da werden in stundenlanger Prozedur alle Kuverts geöffnet. Der jeweilige Höchstbieter bekommt den Zuschlag. 1.400 mal dasselbe Spiel.