KOMMENTAR
Einbinden statt ausgrenzen

Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Statt sich dieser traurigen Tatsache grundlegend anzunehmen, wird sie gerade in der Vorweihnachtszeit oft so penetrant oberflächlich strapaziert, dass viele Menschen Augen und Ohren davor verschließen. Wo nicht scharf hingesehen wird, fehlt schließlich aber das Verständnis. Verständnis für die immer größer werdende Zahl der Außenseiter in unserer Wohlstandgesellschaft. Persönliche Schicksale wie Krankheit, Scheidung oder Jobverlust führen immer öfter immer schneller steil bergab. Die oberösterreichische Caritas weiß das. Sie führte im Vorjahr 8.000 Beratungen für Menschen in Not durch, und jährlich werden es um zehn (!) Prozent mehr.
Ein Problem, das öffentlich kaum wahrgenommen wird, ist beispielsweise die steigende Zahl obdachloser Frauen. Alleine heuer kamen bis September 280 Frauen zur Caritas, weil sie von Wohnungslosigkeit bedroht oder schon betroffen sind. Die Dunkelziffer kann man nur erahnen. Gerade Frauen versuchen aus Scham, ihre Notlagen möglichst lange zu verbergen. Wärmestuben meiden sie vielfach, weil sie die Dominanz der Männer scheuen.
Einige Sozialprojekte stemmen sich gegen die wachsende Ausgrenzung der Außenseiter. Sie zeigen Alternativen auf, die bestens funktionieren. Dazu gehört der Hartlauerhof in Asten (Bericht nebenan). Dort weist man Randfiguren der Gesellschaft über das Kunsthandwerk den Weg zurück in ein besseres Leben. Die Menschen finden über ihre Arbeit Anerkennung und Motivation. Das stabilisiert und macht Mut. Mehr derartige Förderungen wären lohnens- und lobenswert. Einbinden statt ausgrenzen ist gefragt.
von Wolfgang Aschauer

