KOMMENTAR
Werte suchen & Sinn finden.

Wolfgang Aschauer
Tausende Landsleute schmücken in diesen Tagen Gräber, beten, halten Zwiesprache mit lieben Verstorbenen. Andere schlendern, scheinbar ziellos, zwischen Grabmälern, lesen Namen, sich fragend, wie wohl das Leben dieses Menschen gewesen sein mag. Friedhöfe regen zum Nachdenken über Leben und Tod an. Und unweigerlich drängen sich - dem Menschen von heute mehr denn je - dramatische Fragen auf: Was ist der Sinn meines Daseins und Handelns, was bleibt?
LEBE eigentlich ICH - oder WERDE ICH GELEBT?
Im absurden Tempo unseres Alltags werden traditionelle Werte mehr und mehr vom Tisch gewischt. Und genau diese wertevernichtende Wohlstandsgesellschaft rächt sich auf perfide Weise: Der Einzelne weiß nicht mehr, was er will und will nur mehr das, was der andere will oder hat. Dieser Konformismus hat sich längst zu einem (Konsum-)Monster entwickelt, das uns vor sich hertreibt. Der Verlust von Individualität und menschlichem Miteinander schreitet dramatisch voran. Viktor E. Frankl (1905-1997), Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse, schrieb bereits 1968 (!) in „Das Leiden am sinnlosen Leben”: „Wir leben in einer Zeit zunehmender Freizeit. Aber es gibt nicht nur eine Freizeit von etwas, sondern auch eine Freizeit zu etwas; der existentiell frustrierte Mensch jedoch kennt nichts, womit er sie ausfüllen könnte und sein Sein verliert den Sinn. Das Sinnlosigkeitsgefühl breitet sich immer mehr aus”. Die Zeit bis Weihnachten ist eine gute Zeit zum Entschleunigen, Nachdenken, Werte suchen und Sinn finden.
Autor: Wolfgang Aschauer

