05. September 2010

AKTUELLES

Fans als Idioten denunziert!

"Kein Ex-Teamspieler hat den Mut, zu sagen, was Sache ist!"


Hand auf’s Herz: Das sind doch keine Idioten! Die Initiatoren von „Österreich zeigt Rückgrat”: Grafiker Thomas Lechle, Filmproduzent Michael Kriess, Programmierer Roland Reich (von links).

Pfffft! Österreichs Profifußball gleicht einem Ball ohne Luft. Er liegt zerbeult am Boden. Stillstand! Funktionärsfilz, Mäzenaten-Dilettanten, Millionenpleiten, Lizenztheater, randalierende Zuschauerhorden - seit Jahren das gleiche Bild. Die Leistungen des Nationalteams sind das Abbild davon. In der FIFA-Weltrangliste liegt Österreich aktuell auf Platz 88, in der Europa-Wertung an 41. Stelle unter 53 Ländern.

„Es ist an der Zeit, die Ruine Österreichischer Fußball abzureißen und einen Neuaufbau zu beginnen.”

Aktion Rückgrat

 

Als im Länderspiel gegen Japan unsere Spieler ihrem Unvermögen auch noch eine aufreizende Art von Arbeitsverweigerung beimengten, hatten einige kernige Tiroler Fußballenthusiasten die Schnauze voll: Sie riefen am 19. September die Aktion „Österreich zeigt Rückgrat. Initiative für eine österreichfreie EURO 2008” ins Leben. Die fußballbegeisterten Spaßvögel schlugen vor, Österreich möge Rückgrat zeigen und zugunsten eines stärkeren, nicht qualifizierten Nationalteams freiwillig auf die EM-Teilnehme verzichten. Schließlich heiße es ja in der Nationalhymne „Volk begnadet für das Schöne”. „Wir wollten mit unserer Initiative eine breite Diskussion über die Strukturkrise im österreichischen Fußball anstoßen und haben dafür bewusst eine überspitzte, polemische Form gewählt,” erklärt Initiator Michael Kriess aus Innsbruck. „Wir haben gehofft, dass ein Ex- Teamspieler oder hoher Fußballfunktionär den Ernst der Lage erkennt und den Mut besitzt, zu sagen, was Sache ist.”
Daraus wurde nichts. Alt-Internationale wie Prohaska, Krankl, Polster oder Weber, die allesamt als Trainer oder Manager weitgehend erfolglos geblieben sind, kochen als gut bezahlte Fachkommentatoren ihr eigenes Süppchen oder reden um den heißen Brei herum. Sie gehören selbst zum Sand im österreichischen Fußballgetriebe. Teamchef-Assistent Andi Herzog stempelte Kriess und seine Mitstreiter als „Idioten” ab.

„Erkennbarer Reformwille könnte die miese Stimmung im Vorfeld der Europameisterschaft ins Positive kippen lassen.”

Aktion Rückgrat

 

Die meisten heimischen Medien - auch in Oberösterreich - handelten die Aktion Rückgrat als Randnotiz ab. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem witzig vorgetragenen Anliegen wurde verweigert. Ö 3, wo „Hicke” und seine Männer täglich verulkt werden, kippte einen fertigen Beitrag ohne Begründung kurzerhand aus dem Programm. Auch im ORFFernsehen gab es für die Kritik von der Basis keine Sekunde Sendezeit. TVSportchef Hans Huber zeigte in einem Brief „kein Verständnis für diese Aktion,” denn in der jetzigen Situation müssten alle zusammenhalten. Trotz des Medienboykotts haben bereits mehr als 10.000 Fußballfreunde für „Österreich zeigt Rückgrat” unterschrieben. Michael Kriess: „In etwa 70 Mails wurden wir als Nestbeschmutzer beschimpft, hunderte Mails stimmen uns aber zu. Viele Menschen bieten ihre freiwillige Mitarbeit an.”
Für Fußball-Fans, die meinen, dass man aus Österreichs Fußball mehr herausholen kann als es Stickler & Co tun, ist die in Tirol gestartete Unterschriftenaktion ein aufgelegter Elfmeter. Der Ball liegt auf www.rueckgrat.cc Treten Sie an und netzen Sie ein!

MICHAEL KRIESS ist der „Rädelsführer” des Aufstands der österreichischen Fußballfans. Der 35-jährige Sohn des 15-fachen Ex- Teamverteidigers Werner Kriess kickte im Bundesnachwuchszentrum und stürmte in der U-19 des FC Tirol. Dort begann er mit einer halbjährigen Sperre, weil ihn die Funktionäre zu spät angemeldet hatten. Danach spielte er zwei Monate in der Tiroler Landesliga, ehe er seine aktive Laufbahn beendete. Beruflich arbeitete Michael Kriess zuerst als Journalist für Tiroler Krone, Kurier und Tirol TV, dann für eine TV Produktionsfirma in München, ehe er 2005 in Innsbruck seine eigene Filmproduktionsfirma gründete. Ein Grundübel in der Fußballkrise sieht Kriess „in der Eitelkeit unfähiger Funktionäre,” die vielfach unsinnig Geld verbrennen. Die Hauptmisere liege in der Bundesliga. „Wie der Teamchef heißt, ist da völlig egal,” so Michael Kriess. Er wünscht sich, „dass dem Nachwuchs in diesem Sport wieder Idole erwachsen, die dazu animieren, selbst aktiv zu werden. Nicht unbedingt mit dem Ziel vor Augen, reich und berühmt zu werden, sondern aus Freude an diesem Sport.”