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Trickreiche Händler nehmen heimischen PKW-Entsorgern das Geschäft weg.
Osteuropäer fahren auf unsere Schrottautos ab.
Trickreiche Profis aus Osteuropa kaufen unsere Rostlauben und Luftverpester in Massen auf.
Wieviel Kilometer sie am Tacho haben, ist völlig egal, sie müssen nur billig sein. Unsere Schrottautos sind heiß begehrt. Händler aus Osteuropa fahren in Scharen auf sie ab. Um die Rostlauben und Dieselstinker ohne Strafsteuer über die Grenze zu bekommen, greifen die Ost-Profis tief in die Trickkiste.
Der heimische Schrottauto-Markt ist mittlerweile fest in der Hand von Ost-Profis. Tag für Tag klappern Bulgaren, Rumänen, Ungarn, Slowaken, Polen und Mazedonier Autohändler in Oberösterreich ab. Vorwiegend kommen die Interessenten aus den neuen EU-Ländern. Sie sind auf der Suche nach Billigautos für den osteuropäischen Markt.
Gekauft wird alles, was billig ist. „Ich habe noch nie erlebt, dass ein Käufer aus Osteuropa nach dem Kilometerstand gefragt hätte. Der Preis ist entscheidend. Die Schmerzgrenze liegt bei 3.000 Euro. Mehr wird in der Regel nicht bezahlt,” erzählt Günter Findenig von „Autodirekt.at” in Haid-Ansfelden. Der 39-jährige ist seit 15 Jahren im KFZ-Bereich tätig und kennt die Autobranche wie seine Westentasche.
Die fliegenden Händler nehmen fast alles in Kauf. Rost, Tachostände im hohen sechsstelligen Bereich, kaputter Motor, Blechschaden, Unfallhavarie - all das sind keine Geschäftshindernisse. Für 100, 200 oder – wenn es hoch geht – 500 Euro werden die ausrangierten Fahrzeuge erworben und exportiert.
Dass viele osteuropäische Länder, wie beispielsweise Tschechien, Ungarn, Slowenien und Rumänien, zum Schutz vor der Altauto-Invasion strenge Einfuhrbestimmungen erlassen haben, stört die Osthändler wenig.
Laut Gesetz dürften innerhalb der EU keine Autos importiert werden, die nicht die Euro 3-Norm erfüllen. „De facto sind das meist Modelle, die älter als Baujahr 1999 sind,” erklärt Günter Findenig. Ansonsten ist beim Zoll eine Strafsteuer fällig. Für einen A-Klasse Mercedes im Wert von 5.000 Euro wären das in Ungarn zum Beispiel 1.500 Euro.
Die Bestimmungen im EU-Recht und in den einzelnen Ländern sind jedoch sehr kompliziert. Findenig: „Nicht einmal im Finanzamt hat man mir eine klare Auskunft geben können.” Dass es seit 1. Juli für Neuwagen keine Typenscheine mehr gibt, sondern nur noch einen Zettel, der sich Genehmigungsdokument der Datenbank nennt, macht die Sache nicht gerade einfacher.
Um die Strafsteuer zu umgehen, greifen die osteuropäischen Händler zu Tricks. Sie machen beispielsweise aus einem Auto zwei und bauen es jenseits der Grenze wieder zusammen. Oder sie bauen den Motor aus und bringen Karosserie und Antriebsaggregat auf zwei Transportern ins Ausland.
Werden Wracks exportiert, kommt es nicht selten zu kriminellen Auswüchsen. Fehlende Ersatzteile zur Wiederinstandsetzung werden dann oft in Österreich gestohlen. „Von solchen Fällen hört man immer wieder,” weiß Geschäftsführer Josef Hahn vom Peugeot-Autohaus Linz-Leonding. Es werden auch Totalschäden gekauft oder im Internet ersteigert, um an den Typenschein zu kommen, den man für gestohlene Fahrzeuge braucht.
Die beliebtesten Zielländer sind derzeit Nicht-EU-Länder wie Mazedonien und Russland sowie Polen. Findenig: „Dort ist momentan noch alles erlaubt.” Besonders gesucht sind Geländewagen, Pritschenwagen, VW-Modelle aller Art und Vans à la Sharan oder Alhambra. Völlig out sind seit einiger Zeit alte Fords.
Die Folgen des Ost-Booms spürt der heimische Metall- und Schrotthandel. „Die Zahl der Schrottautos ist krass zurück gegangen,” bestätigt Christian Schuster, Autoverschrotter und Entsorgungsspezialist in Asten. Obwohl von seiner Firma Altautos kostenlos angenommen werden, um sie flüssigkeitsfrei zu machen und für den Schredder vorzubereiten, gibt es nur noch ganz selten solche Aufträge von Privatpersonen. Sie hoffen stattdessen auf ein paar Euro von Osthändlern.
Autor: Manfred Radmayr

