07. Februar 2012

KOMMENTAR

Irrwitzige Gehälter


Manfred Radmayr

Das Auf und Ab der Aktienkurse in den vergangenen Wochen hat vielen Anlegern sehr viel Geld gekostet. Wirklich zur Verantwortung gezogen wird dafür niemand. Die in den großen Banken, Aktienhäusern und Investmentgesellschaften sitzenden Finanzgurus, die das Schlamassel herbeigeführt haben, bleiben finanziell weitgehend ungeschoren. Sie erfreuen sich weiter ihrer Irrsinnsgagen. Sie kassieren bis zu dreistellige Euro Millionengehälter im Jahr. Auch ohne die gängigen Aktienoptionen, die sie auf ihre fürstlichen Bezüge draufgepackt bekommen, die auch dann fließen, wenn sie die ihnen anvertrauten Aufgaben schlecht erledigen.

Dass Manager heute so viel verdienen, hängt mit einer Selbstbedienungs- mentalität in den Führungsetagen und Aufsichtsräten zusammen, die dadurch genährt wird, dass unser demokratisches System bei der Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums zwischen den sozialen Gruppen zunehmend versagt. Die Diskussion um den gerechten Lohn dreht sich immer wieder um die Frage: Ist Leistung messbar? Wenn es darum geht, ob jemand einen 20-Kilo- oder einen 50-Kilo-Sack stemmen kann, ja. Noch einigermaßen greifbar ist der Leistungsbegriff, wenn es um handwerkliche Tätigkeiten geht. Extrem problematisch wird jedoch die Zurechnung von Leistung in der höheren „Vergesellschaftung” der Arbeit, also in den abgeschotteten Führungsetagen riesiger Konzerne, von Großorganisationen oder Firmengeflechten. Wer am Fließband steht, Akten schleppt oder an der Supermarktkasse sitzt, ist leicht kontrollierbar und verdient wenig. Je undurchschaubarer Entscheidungen sind, je länger es dauert, bis sie zum Tragen kommen und vielleicht überprüfbar werden, desto höher werden sie entgolten.

Wer die irrwitzigen Gehälter mit dem Marktmechanismus zu erklären versucht, wonach Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen, macht es sich zu einfach. Denn wie hat schon Bruno Kreisky einst weise gebrummelt: „Das hat es noch nie gegeben, dass man nicht einen findet, der das genauso macht - so gut oder so schlecht!"