08. September 2010

KOMMENTAR

Beschämend!


Oberösterreich ist ein Wald- und Holzland. 41 Prozent seiner Gesamtfläche sind bewaldet. Alle sieben Sekunden wächst ein Kubikmeter Holz nach. Das ergibt 4,7 Millionen neue Festmeter im Jahr. Genützt werden jährlich allerdings nur 2,5 Millionen Festmeter. Auf 494.000 Hektar Waldfläche beträgt der heimische Holzvorrat 158 Millionen (!) Festmeter. Das ist zuviel des Guten!

Warum wird diese wertvolle natürliche Ressource so wenig genützt? Unter anderem deshalb, weil im Waldland Oberösterreich der Baustoff Holz stiefmütterlich behandelt wird. Das gilt für viele private Bauherren, große Teile der

Beschämend

Wirtschaft und erst recht für staatliche Einrichtungen. Bei Verwaltungsgebäuden, Schulen, Seniorenheimen, Kindergärten, Sportstätten, Bahnhöfen oder den vielen Brückenbauten im Lande wurde die Verwendung von Holz völlig verschlafen, Beton und Stahl dominieren. Erst langsam greift auch die öffentliche Hand zum ökologischen und ökonomischen Baustoff Holz. Etwa beim Neubau der Fachschule Lambach oder des Schulzentrums Altmünster.

„In Paris steht der Eifelturm aus Stahl. Wo sind die vergleichbaren tollen Holzbauten in Oberösterreich?”, fragt Dr. Erich Wiesner aus Altheim als Vorsitzender der österreichischen Holzindustrie. Die Antwort ist beschämend. Die Holz- Vorzeigebauten stehen in Italien, Spanien, Deutschland oder Katar, wo beispielsweise eine Stadion-Holzkonstruktion mit 280 m Freispannweite in 44 m Höhe für Aufsehen sorgt. Wir staunen, gratulieren und betonieren weiter. Oder?


Autor: Manfred Radmayr